Ein Beitrag von Maren Behrendt

Aus dem Tagebuch der Gen Z: „We are 22“ im Theater Duisburg

Wer einen Mitmenschen der Generation Z besser verstehen lernen möchte, ohne dessen Tagebuch zu durchblättern, der möge das Theater Duisburg besuchen. „We are 22 oder Tanz auf dem Vulkan. Eine Revue zwischen LOL, veganem Käse und Krieg.“ – so heißt die Produktion des „Spieltrieb“, die im November ihre Premiere im FOYER III des Stadttheaters Duisburg feierte. Nach der Idee und Regie von Katharina Böhrke verkörperten zwölf junge Erwachsene der Generation Z das, was ebenso gut in ihren Tagebüchern stehen könnte.

 

Nähe zwischen Ensemble und Publikum im FOYER III


Das FOYER III ist nicht die klassische Spielstätte, die man als erstes mit „Theater“ assoziiert. Statt einer Bühne findet sich lediglich eine freie Fläche vor der kleinen Tribüne. Alles ist in dunklen Farben gehalten. Die Wände ähneln denen einer Garage; und das, obwohl sich die Räumlichkeiten unter dem Dach des Theaters befinden. Neben den zwölf Jugendlichen finden sich schwarze Tafeln mit Schrift aus Klebeband in dem vorderen Bereich: „Too much is not enough“ und „fühle ich“ steht darauf – ist ja „cringe“. Was will mir das sagen? Eines ist jedenfalls sicher: Die Wahl der Spielstätte verstärkt das Gefühl, dem Ensemble nah zu sein und dadurch besser in die Gedankenwelt der Generation Z eintauchen zu können.

 

Da ruht es am Abend, das Theater Duisburg. Und niemand, der nicht schon einmal dort war, ahnt, welch spannende Spielstätte sich direkt unter dessen Dach befindet.

 

Um diese Themen geht es


Dramaturgisch gerahmt durch den immer wiederkehrenden Vergleich mit den 1920er-Jahren werden diverse Themen angeschnitten, die uns allen aus den Nachrichten bekannt sein dürften: von Natur und Klimawandel über Diversität und Akzeptanz bis zu Krieg ist so ziemlich alles dabei. Aber auch Aspekte wie soziale Medien und deren Wirkung auf die Generation Z, Depressionen und der Umgang damit oder der hier und da sprachlich forsche Umgang miteinander werden thematisiert.
Das alles – so muss man sich vorstellen – während man dem „Spieltrieb“-Ensemble nahezu Auge in Auge sitzt. Durch die Spielstätte und die Aufbereitung des Stückes, die eher einer Talkrunde ähnelt, fühlte es sich in der Tat an, als würde aus einem Tagebuch der Generation die Gesellschaftskritik an anderen Generationen und – ehrlicherweise – auch der eigenen verlesen.

 

Das „Spieltrieb“-Ensemble gewährt den Zuschauer:innen von „We are 22“ einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der Generation Z.

 

Die Sache mit dem „alten, weißhaarigen Mann“


Explizit genannt wurde er mehrmals. Der alte, weißhaarige Mann. Der Feind der Generation Z. Der, der nicht im Sinne der jungen Menschen handelt und schuld daran ist, dass die oben genannten Probleme erst entstehen. Viele alte, weißhaarige Männer waren im FOYER III an diesem Abend nicht auszumachen. Ob die sich wohlgefühlt hätten? Fraglich. Inwiefern dieses Sinnbild gerechtfertigt ist, wenn doch zugleich das Schubladendenken der Gesellschaft kritisiert wird, sei mal dahingestellt. Um den Blickwinkel vieler junger Menschen widerzuspiegeln, eignet es sich vermutlich dennoch.

 

Authentisches & begabtes Ensemble


Besonders schön ist natürlich die Authentizität – allein schon durch das junge Ensemble, das die Jugendsprache gekonnt mit auf die Bühne bringt. Alle legen sehr viel Gefühl in ihre Stimme, haben eine ausdrucksstarke Körpersprache und der Gesang des einen oder der anderen klingt, als sei er für die ganz große Bühne gemacht. Wirklich eine beeindruckende Leistung! Zudem fand ich die Stimmung im Ensemble sehr angenehm – denn sie verkörperte eine gegenseitige Wertschätzung.
Nachdem die einzelnen Themen in dem talkrunden-artigen Format Raum bekamen, lockerten Elemente mit Tanz, Drehorgel und Gesang die Stimmung auf – was angesichts der vielen zum Nachdenken anregenden Inhalte auch ganz angenehm war. Vielleicht verkörpert genau das den Kontrast, den die Gen Z jeden Tag ihres Lebens verspürt.

 

Kurze Szenen mit Tanz und Gesang lockern die Aufführung auf. Besonders humorvoll: die geschriebenen Songtexte

 

Mein persönliches Fazit


Die Gen Z ist eine Generation, die von außen betrachtet (laut „We are 22“ auch nach eigenen Angaben) oft so wirkt, als hätte sie nur Flausen im Kopf und würde ihre Zeit am Smartphone verschwenden. Wer nach dem Besuch von „We are 22“ das Theater Duisburg verlässt, wird junge Erwachsene, denen er oder sie im Alltag begegnet, vielleicht mit anderen Gedanken im Kopf entgegentreten.
Es ist definitiv gelungen, die Zuschauer:innen mit auf die Reise in das Innerste einiger Köpfe und Herzen der Generation Z zu nehmen – und für das Gefühl, das Innerste nach außen gekehrt präsentiert zu bekommen, kann man sich als Zuschauer:in nur bedanken. Wieder einmal öffnet das Theater neue Perspektiven und Welten, in die man sonst nicht hätte blicken können – es sei denn, man öffnet dann doch noch ein fremdes Tagebuch. In der gewählten Spielstätte mit Dialogcharakter und Augenkontakt zwischen Ensemble und Zuschauer:innen entfaltet sich diese Wirkung auf eine besondere Weise.

 


We are 22 oder Tanz auf dem Vulkan

Spieltrieb - Jugendclub im Theater Duisburg

Ein Stück von Katharina Böhrke

Informationen, Termine und Tickets gibt es hier.


Der Artikel "Aus dem Tagebuch der Gen Z: „We are 22“ im Theater Duisburg" wurde von unserer RuhrBühnen-Bloggerin Maren Behrendt verfasst. 

Weitere Artikel, mehr zum Blog, dem Projekt und unseren RuhrBühnen-Blogger:innen gibt es hier.

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