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2020 Schauspielhaus Bochum

Die Befristeten

Quick Info

Angst vor dem Tod? Kennen die Menschen nicht mehr. In der Zukunft in Elias Canettis Theaterstück Die Befristeten ist das Sterbedatum für alle Menschen festgelegt, und zwar von Geburt an. Sie tragen ihre Lebenserwartung sogar im Namen, heißen 88 oder 46 oder auch nur zehn. Die Menschen in dieser Gesellschaft sind scheinbar sorglos; denn sie werden nicht mehr vom Tod überrascht, sondern wissen, wie viel Zeit – welche Frist – ihnen zum Leben bleibt, und können diese effektiv nutzen. Es gibt keine tödlichen Unfälle mehr, keinen Mord im herkömmlichen Sinn, die ältesten Menschen gelten allgemein als am wertvollsten, und der Tod heißt romantisch „Augenblick“.

Doch ein Mann namens Fünfzig hinterfragt diesen vermeintlich paradiesisch zivilisierten Zustand. Er misstraut der Fehlerlosigkeit des Systems und insbesondere der unangefochtenen Wächterinstanz, dem so genannten Kapselan. Zum Nachweis ihres vorschriftsmäßigen Todes tragen alle Menschen eine versiegelte Kapsel bei sich, in der Geburtstag und Sterbejahr dokumentiert sein sollen. Der Kapselan ist der Einzige, der nach dem Tod die Angaben prüft. Fünfzig erkennt eine Lücke im System und zettelt eine Revolte an. Doch werden die Menschen wirklich glücklicher sein, wenn sie aus der Vorbestimmtheit entlassen sind?

Die Befristeten des vielsprachigen Autors und Literaturnobelpreisträgers Elias Canetti (1905 – 1994) ist ein verblüffendes Gedankenspiel. Mit der Wiederentdeckung dieses Stücks öffnet das Schauspielhaus Bochum nach 13 Wochen Corona-Lockdown erstmals wieder seine Türen. Intendant Johan Simons inszeniert in „kontaktlosen“ Zeiten in einem umgebauten Schauspielhaus und fragt mit Canetti nach dem Wert des Alters, nach Nähe und Vereinzelung, Vertrauen und Misstrauen. In einer Vielzahl schlaglichtartiger Szenen entfaltet sich ein Menschheitskaleidoskop, das uns über unseren Umgang mit dem Tod nachdenken lässt. Wie sähe unser Leben mit einer klar definierten Grenze aus? Was ist aber, wenn uns gewahr wird, dass wir jederzeit sterben können: Sind wir bereit, aus Todesangst Einschränkungen unserer Freiheit in Kauf zu nehmen? Wie groß ist unsere Sehnsucht nach Unsterblichkeit – und wie kommen wir ihr am nächsten?

Webseite
www.schauspielhausbochum.de/de/stuecke/6131/die-befristeten http://www.schauspielhausbochum.de/de/stuecke/6131/die-befristeten
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Besetzung

Der Freund
Elsie de Brauw
Junge, 70 / Jemand / Erster Kollege / Erster junger Herr, 88 / Zweite ganz alte Frau, 96
Dominik Dos-Reis
Mutter, 32 / Er / Erster junger Herr, 88 / Zweiter Kollege
Gina Haller
Fünfzig
Stefan Hunstein
Mann, 46 / Zweiter Kollege / Zweiter junger Herr, 28 / Erste ganz alte Frau, 93 / Erster Kollege
Marius Huth
Großmutter
Risto Kübar
Die Schwester des Freundes
Mercy Dorcas Otieno
Ein Anderer / Frau, 43 / Junge, 10 / Sie / Junge Frau beim Begräbnis ihre Kindes / Erster Kollege
Anne Rietmeijer
Der Kapselan
Jing Xiang

Stab

Johan Simons

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